Königliches Wohnen in Burg Wendelstein

Dreetz

Jochen Dreetz

Es gibt Wochenenden, da kommen hunderte Besucher auf die Burg Wendelstein. Das 40.000 Quadratmeter große Grundstück aber ist    Privatgelände. Burgherr Jochen Dreetz, Architekt und Hausverwalter, teilt sein Lebensraum dennoch gern mit Besuchern – wenn auch nicht immer mit positiven Erlebnissen.

 

Solche speziellen Wohnobjekte stehen ja selten im Immobilienteil der Zeitung. Herr Dreetz, wie sind Sie eigentlich Eigentümer der Burg Wendelstein geworden?

Dreetz: Ich habe einen Hof in der Toskana gesucht und bei einer Auktion Burg Wendelstein in Sachsen-Anhalt gefunden. Wir haben sie 1998 gekauft und dann für lange Zeit als Ferienwohnung und zweites Büro von Berlin aus benutzt. Seit 2004 wohnen wir hier.

Was war vor Ihrem Einzug in der Burg?

Dreetz: Die Burg hat eine 2000-jährige Geschichte, hier oben wurde schon immer gewohnt. Die Burg war aber auch Gemeindeverwaltung, Gefängnis, Schule, Kirche. In den 80er Jahren war sie weitgehend verfallen und leerstehend. Zu DDR-Zeiten wurde die Burg dann so hergerichtet, wie sie jetzt aussieht – mit 15 Wohnungen und zwei Büros.

Bei so einer spannenden Vergangenheit denkt man gleich auch an spannende Geschichten. Haben Sie nach Ihrem Kauf einen kuriosen Fund in der Burg gemacht?

Dreetz: Ja, DDR-Groschen und DDR-Besteck. Und viele Quarze kann man hier finden. Aber auf die goldene Krone oder eine Schatztruhe warten wir immer noch (grinst).

Ist denn wenigstens schon einmal etwas Mysteriöses in der Burg vorgefallen?

Dreetz: Ich saß mit meiner Frau zusammen auf dem Sofa und wir glauben beide, dass ein Kugelblitz wie ein Feuerball zum einen Fenster rein und zum anderen wieder raus gegangen ist. Schlossgeister gibt es hier aber nicht. Dafür haben wir Waschbären.

Worin sehen Sie den größten Unterschied zu normalen Wohnungen? Gibt es eventuell auch Nachteile?

Dreetz: Es ist spektakulär und romantisch, hier zu wohnen. Wir können große Lagerfeuer machen und Konzerte geben, ohne dass es jemanden stört. Wir haben Obst im Garten – es ist alles hier, außer Stadtleben.

Die Burg hat eigentlich nur den Nachteil, dass sie natürlich nicht immer gerade Wände hat. Wir finden das aber schön. Als wir das erste Mal herkamen, meinte meine Frau bei der Besichtigung unserer Wohnung: „Oh das sieht ja aus wie ein weißes Ferienhaus in Griechenland. Fehlt nur noch die goldene Kuppel!“

Bei so dicken Burgmauern…Wie sieht es in den Wohnungen denn mit Handy- und Internetempfang aus?

Dreetz: Wir haben damit keine Probleme! Vor ein oder zwei Jahren wurde in der Gegend das Netz so ausgebaut, dass jetzt das ganze Gebiet mit DSL versorgt wird. Manche Leute fragen auch: „Haben Sie denn hier überhaupt Wasser und Strom?“. Natürlich! Alle Wohnungen sind recht schön, alle haben Bäder. Zum Teil gibt es zwar noch Ofenheizungen, aber ich sage immer: „Das ist nun mal königliches Wohnen.“

Obwohl das Ihr Privatgrundstück ist, können auch Touristen die Burganlage besichtigen. Was gibt es hier zu sehen?

Dreetz: Alle Besucher dürfen unterhalb der Burg parken, die Parkplätze im Hof sind nur für uns Anwohner. Man kann sich die Burganlage kostenlos von außen anschauen, aber in die Wohnungen lassen wir niemanden. Da gibt es ja auch nichts zu sehen.

Kommt es dennoch vor, dass Besucher bei Ihnen klingeln und einen Blick in die Wohnungen riskieren wollen?

Dreetz: Das passiert nicht so häufig, vielleicht zwei Mal im Jahr. Es gab aber auch schon die Situation, dass Leute einfach ins Haus gegangen sind. Sie standen dann in der Wohnung über uns vor´m Ehebett. Als der Besitzer zu denen sagte „Das ist aber privat!“ brachten die Leute ihm nur entgegen: „Ja das macht doch nichts, wir wollen ja nur fotografieren!“.

Andere Leute treten in den Vorgarten, um so nah wie möglich durch´s Fenster schauen zu können. Es werden auch Früchte geklaut und Beete niedergetreten. Manchmal hat man auch die Nase voll von Touristen!

Es gibt aber auch Leute, die sich bedanken, dass man sich überhaupt dieser Sache annimmt, weil die Burg schon eine Lebensaufgabe ist und es Nerven und Geld kostet. Aber das schöne Wohnen, die schönen Feste, die man hier feiern kann und das Badengehen in der Unstrut mit dem Blick hier hoch auf die Burg, das entschädigt einen schon. Ich habe es nie bereut, die Burg gekauft zu haben!

 

Fazit: Für Touristen gibt es sicherlich interessantere Burganlagen, die sowohl von außen als auch innen besichtigt werden können und bei denen der Besucher auch mehr über die Geschichte der Burg erfährt. Wer aber dennoch die Reste der Burganlage besichtigen möchte, sollte dies mit Respekt tun.

Anlage Aussicht

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