Reise in eine vergangene Zeit – Kinderkemenate im Schloss Neuenburg 

Es ist alles vorbereitet. Die Heizkörper in einem gemütlichen Raum der Neuenburg sind bereits erwärmt, die Kostüme hängen geordnet im Schrank. Schnell stellt Ellen Keindorff noch die mittelalterliche Musik an. Die Frau mit den kurzen Haaren ist Verantwortliche der Kinderkemenate. Sie begibt sich zur Tür und wartet auf eine Gruppe von 14 Kindern. Drei von ihnen feiern heute Geburtstag. Voller Aufregung und Neugier stürmen die Kinder durch das Eingangstor der Burg und auf Ellen Keindorff zu. Trotz zierlicher Gestalt kann sie sich schnell Gehör verschaffen und erklärt sogleich die Bedeutung des Wortes 1„Kinderkemenate“. Dann geht es auch schon ins Warme. Kurz noch Jacken ablegen und dann heißt es für die Neun- bis Zehnjährigen erst einmal Platz nehmen. Der wohnliche Raum verwandelt sich schlagartig in einen Schauplatz mittelalterlichen Lebens. Ellen Keindorff beginnt mit der Zeitreise. Sie erzählt den aufmerksamen Kindern die Geschichte von Graf Ludwig und der schönen Adelheid. Alle hören gespannt zu. Was denn eine Gräfin haben müsste, um einem Grafen zu gefallen, fragt die Museumswissenschaftlerin in die Runde. Schnell schießen die Finger in die Höhe. „Schönheit“, „Klugheit“ und „Geld“ – da sind sich alle einig.

Wenig später sind die Kinder selbst gefragt

9Graf Ludwig und dessen Hofstaat werden nun zum Leben erweckt. Jedes Kind darf in eine Rolle der Geschichte schlüpfen und ein passendes Kostüm anziehen. Bei den Mädchen sind Königin, Gräfin und Prinzessin besonders begehrt. Die Jungs wollen Ritter sein. Und schon kullern die ersten Tränen, weil der Traum, ein Ritter zu sein zu platzen droht. Knappe sein möchten die wenigsten! Doch schnell ist eine Lösung gefunden und nun strahlt auch der schwarze Ritter. Die anwesenden Eltern werden ebenso mit in das Rollenspiel integriert. Jeder Posten hat seine Aufgabe und so liegt es an den Wachen, niemanden ohne Auskunft durchzulassen: „Wer seid ihr? Und wohin wollt ihr?“ fragen sie 2die anderen Kinder, die das Spiel bereits vollkommen verinnerlicht haben. Nachdem alle beim König vorstellig geworden sind, tanzen Königin und die Prinzessinnen mit König und den Knappen. Die vier Ritter kämpfen gegeneinander mit Holzschwertern. Viel zu kurz, wie alle vier feststellen. Doch der nächste Programmpunkt lässt schon auf sich warten.

4Es gilt, das Schlossgespenst zu suchen und einen Schatz zu finden. Ellen Keindorff geht voran. Der Weg zum Gespenst führt in einen anderen Trakt der Burg. Viele Stufen müssen die kleinen Füße erklimmen, aber die Museumswissenschaftlerin lenkt die Truppe mit Geschichten ab. „Seid ihr bereit, zu sehen, was sich hinter dieser Tür verbirgt?“ fragt sie die Gruppe, die sich vor der rustikalen Holztür versammelt hat. „Nein, ich hab Angst“, ertönt es aus dem Mund einer Prinzessin.  Doch im gleichen Moment öffnet sich auch schon die Tür und dahinter verbirgt sich das schaurige Gespenst. Jedes Kind darf nun – die Mutigen langsamen, die Geängstigten schnelleren Schrittes – an ihm vorbeigehen. „Es hat mich angeguckt!“ ist sich der schwarze Ritter ganz sicher. So ganz geheuer ist den Kindern die Sache mit dem Gespenst nicht. Lieber widmen sie sich der anschließenden Schatzsuche.

Zurück zur Kinderkemenate

Damit die Kinder im Eifer nicht von den Kostümen eingeschränkt werden, schlüpfen sie wieder in ihre Alltagssachen. Das6 kann gar nicht schnell genug gehen. Jeder will der Erste sein, der den Schatz findet. Doch so einfach ist das nicht. Rätsel müssen gelöst werden. Gesucht wird als erstes eine Krone, die kein Mensch tragen kann. Eine Baumkrone! Die Geburtstagsmeute rennt zum Baum im Innenhof der Burg. Hier gibt es den zweiten Hinweis, der die Gruppe in den Schlosskeller führt.

Von 7dort geht es schließlich in einen der schönsten Teile des Schlosses. Prunkvolle Möbel und Gemälde schmücken die Räume. Aber dafür haben die Kinder kein Auge. Schließlich muss der Schatz hier irgendwo versteckt sein! Und siehe da, schon ist die Holzkiste entdeckt. Am liebsten würden die Schatzsucher die Trophäe vor Ort auf deren Inhalt untersuchen. Aber der Schlüssel zur Truhe befindet sich in der Kinderkemenate.

Zurück in dieser gilt es, ein letztes Rätsel zu lösen und den heiß begehrten Schlüssel zu finden. Auch die finale Aufgabe ist schnell gelöst und der Schatz wird geborgen. Er wird gerecht geteilt. Die Truhe leert sich in Windeseile; Goldtaler, Kaubonbons und Gummibärchen sind schnell vergriffen. „Und was machen wir jetzt?“ fragt ein Kind. „Jetzt fahren wir nach Hause“, verkündet ein Elternteil. Der folgende Protest war zu erwarten. Zwei Stunden Mittelalter vergehen doch oftmals schneller, als einem Kind lieb ist.

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Information:

Die Neuenburg bietet mehrere Programme speziell für Kinder an. Aber auch Erwachsene sind herzlich eingeladen, an Kostümführungen und Spielen teilzunehmen. Für die Programme sind Anmeldungen erforderlich.

Die Burg bietet ganzjährig und täglich auch Kostümführungen ohne Anmeldungen an. Von April bis Oktober findet sie 15 Uhr, von November bis März 14 Uhr statt.

Öffnungszeiten:

Museum/ Burg:
April bis Oktober täglich 10-18 Uhr
November bis März Di-So 10-17 Uhr

Bergfried “Dicker Wilhelm”:
April bis Oktober Di-So 10-18 Uhr
November bis März geschlossen

Preise:

Burganlage
Erwachsene 6,00 Euro, Ermäßigte 3,50 Euro
Bergfried
Erwachsene 1,50 Euro, Ermäßigte 1,00 Euro
Kombi-Ticktes möglich!

Programm 1 Ludwig&Adelheid:
Erwachsene 8,00 Euro, Kinder 5,50 Euro

Alle Informationen unter www.schloss-neuenburg.de

Tipp:

  • Die Neuenburg bietet Besuchern genügend Räumlichkeiten, um auch auf eigene Entdeckungstouren zu gehen.
  • Hungrige Entdecker können sich in der Burgwirtschaft stärken.
  • Nicht den „Dicken Wilhelm“ vergessen! Der Bergfried ist begehbar und lockt zum Teil mit Ausstellungen. Er ist von April bis Oktober 10-18 Uhr geöffnet und verspricht eine tolle Aussicht.

 

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